POLESINE

Im Laufe der Jahrhunderte hat das historische und geographische Gebiet “Polesine” mehrere tief greifende landschaftliche Veränderungen durchgemacht.
Der Begriff “Polesine” stammt aus dem mittelalterlich-lateinischen “pollìcinum” oder “polìcinum” und bedeutet "sumpfiges Land". Er wurde verwendet, um die vielen trockenen Inselchen zu bezeichnen, die entlang der Strecke von einem oder mehreren Flüssen aufgeschwemmt worden waren. In mittelalterlichen Dokumenten, die sich auf die Genehmigung zur Aufteilung von landwirtschaftlich nutzbaren Grundstücken bezieht, geht eine klare Begrifflichkeit hervor: "Zuteilung eines ‘polesine’ an Landes, das von Gräben begrenzt ist...etc".
Des Weiteren findet der Begriff "Polesino" Erwähnung in einer Karte des Herzogtums Ferrara aus dem Jahre 1597, von einem Beauftragten für den Bau eines Entwässerungsprojekts von Alfonso II. d'Este. Der Name bezieht sich daher auf die wichtigsten Merkmale dieses Gebietes, das im Laufe der Jahrhunderte von den beiden Flüssen Etsch und Po immer wieder verwandelt und verändert wurde. Diese wichtigen Flussläufe sind von der Wassermenge her der größte und der drittgrößte ganz Italiens, und sie haben dem Gebiet der Poebene seit jeher große Wassermengen zugetragen, mit den damit verbundenen erheblichen Problemen der Entwässerung.
Bedenkt man außerdem, dass ein dritter Fluss die Po-Ebene durchquert und seinen Lauf zwischen den beiden Hauptströmen beibehält, nämlich der Tartaro - Canalbianco, wird es offensichtlich, weshalb die ganze Region von einem dichten Netz an Entwässerungskanälen durchzogen ist. Dieses verdankt sie vor allen Dingen den Eingriffen der einstigen Serenissima, der Republik Venedig. Die Po-Ebene ist heute das Ergebnis aus natürlichen Ereignissen wie Überschwemmungen sowie Eingriffen des Menschen. In ihrem östlichen Teil verändert sie sich ständig durch das Werk der Sedimente, die die Flüsse an ihren Mündungen kontinuierlich ablagern. Wir befinden uns also in einer Gegend mit bezaubernden Landschaften, wo das Wasser die unbestrittene Hauptrolle spielt: Flüsse, Kanäle und das Meer schaffen ein Labyrinth aus Wasser und erschaffen so die verschiedenen Landstriche des Polesine und insbesondere des Po-Deltas. Tatsächlich bietet der Regionalpark Veneto des Po Deltas Natur, Farben, Düfte und Landschaften, die einzigartig sind. Hervorzuheben ist außerdem das Meer mit seinen breiten Stränden aus feinstem Sand, den seichten Gewässern und der Möglichkeit, zwischen gut ausgestatteten Badeorten oder etwas abgelegeneren und wilden natürlichen Stränden zu wählen, an denen die Natur noch die Oberherrschaft behält. Doch das Polesine ist auch Geschichte und Kultur: tatsächlich fehlt es nicht an Orten, die dank idyllischer Dörfer, Villen aus dem achtzehnten Jahrhundert, Kirchen, Palästen, historischen Herrenhäusern und Museen reich an Kunst und Geschichte sind. Es gibt viele Gründe, dieses Land zu besuchen und seine herzliche Gastfreundschaft zu genießen. Eine Gastfreundschaft, die auch durch Festivals alter Traditionen und durch leckere Gerichte bereichert wird, welche die Geschichte einer einfachen und ursprünglichen Küche erzählen.

KUNST & KULTUR

Villen und historischen Paläste prägen das Po-Delta. Viele Stätten und Orte beschwören Atmosphären und Charaktere der Vergangenheit. Nicht nur die Pinakothek von Rovigo birgt zahlreiche Meisterwerke, wir finden sie auch in historischen und religiösen Gebäuden, Palästen und Villen. Nicht zuletzt sind es die Museen, die es uns ermöglichen, die Geschichte und Traditionen dieser Gegend kennen zu lernen. Nur indem man diese Stätten besucht und sich darin vertieft, kann man ganz und gar verstehen, was die Po-Ebene tatsächlich ist: ein schwieriges Land, das sich nicht sofort und vollständig erschließt, sondern den Besucher auffordert, sich ihm mit einer Haltung voller Neugier und Aufmerksamkeit zu nähern.

DIE VILLEN

Ab dem fünfzehnten Jahrhundert begannen die Venezianer entlang der Wasserwege der Region mit dem Bau jener prächtigen Villen, die wie Juwelen die ländlichen Gebiete der Po-Ebene und Venetiens schmücken, insbesondere in Fratta Polesine, Lendinara, Polesella, Canda, Crespino sowie in vielen anderen kleinen Städte, die oft in ihren Namen eine bestimmte “Veneziantität” heraufbeschwören. Die Villen der Po-Ebene sind zahlreich und reizvoll und schenken dem Besucher einzigartige Emotionen und ein Eintauchen in eine längst vergangene Atmosphäre.
Die Gemäldegalerie der Akademie dei Concordi und des Bischöfliches Priesterseminars in Rovigo hat ihren Sitz im renommierten Palazzo Roverella aus dem fünfzehnten Jahrhundert, Herrschersitz des mächtigen Kardinals Bartolomeo Roverella, heute Sitz renommierter Ausstellungen von nationaler und internationaler Bedeutung. Es ist eine reiche Gemäldesammlung von vierhundertfünfzig Werken überwiegend venezianischer Kunst vom vierzehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert. Aus diesen stechen einige Meisterwerke hervor, die in der ganzen Welt bekannt sind, Werke von Nicolò di Pietro, Giovanni Bellini, Palma il Vecchio, Sebastiano Mazzoni, Girolamo Forabosco, Giambattista Piazzetta, Giambattista Tiepolo, Alessandro Longhi, Rosalba Carriera.

THEATER

Die Theater der Po-Ebene wurden im frühen neunzehnten Jahrhundert errichtet, in einer Zeit großer kultureller Umbrüche: Adria im Jahr 1813, Lendinara und Badia 1814 und Rovigo 1819. Das Teatro sociale von Badia Polesine beherbergt noch heute in seinem Inneren wunderbare Dekorationen und Gemälde sowie die Bühne mit ihrer original erhaltenen hölzernen Mechanik. Wegen seiner herrlichen Dekorationen in Blattgold, die das Innere schmücken, wird es auch “Das kleine Fenice” (Im Ggs. Zum großen Theatro “La Fenice” in Venedig, A.d.Ü.) oder “Goldene Schachtel” genannt. Das "Granarazzo" in Lendinara war seit dem vierzehnten Jahrhundert ein Gebäude, das für die Lagerung von Getreide und Vorräten verwendet wurde. Girolamo Ballarin kaufte es 1812 und wandelte es in ein Theater um. Heute ist das Theater Ballarin - nach einer langen Zeit der Inaktivität und nach einer sorgfältigen Restaurierung - zum Zentrum der kulturellen Aktivitäten des Ortes geworden.  Keine Spur hingegen gibt es mehr von den Theatergebäuden des neunzehnten Jahrhunderts in der Stadt Adria. Heute ist dort das Stadttheater mit einem reichhaltigen Spielplan von Veranstaltungen und Aufführungen aktiv, das im Jahre 1935 eingeweiht wurde. Im Gegensatz dazu wurde am 23. August 1884 das Teatro Cotogni in Castelmassa mit der Oper "Der Barbier von Sevilla" von Rossini eingeweiht. Besonderes Highlight war damals der Auftritt des berühmten Baritons Antonio Cotogni. Unter ihnen allen zeichnet sich das Teatro Sociale di Rovigo durch seine Schönheit und sein Ansehen besonders aus. Zwischen 1817 und 1819 erbaut und nach vielen Wechselfällen in seiner jetzigen Form im Art Nouveau-Stil von Pietro Mascagni eröffnet, der seine eigene Oper "Iris" am 12 Oktober 1904 dirigierte.

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